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Mensch vs. Maschine

Trotz Corona sind wir momentan fleißig in unseren Weingärten am Arbeiten. Auf 26 Hektar gibt es schließlich genug Platz um sich zu fünft großräumig aus dem Weg zu gehen.

Die Arbeit in den Junganlagen

Aktuell kümmern wir uns um unsere jungen Reben. In Kulm im Burgenland haben wir auf 5 Hektar verschiedene weiße Rebsorten für den Gemischten Satz und Blaufränkisch-Reben gepflanzt. Die erste Pflanzung fand bereits vor 5 Jahren statt und dann wurde jedes Jahr ein weiterer Hektar ausgepflanzt.

Das sind viele, viele Reben! Und viel, viel Arbeit!

Da die Wurzeln erst noch tief in den Boden wachsen müssen, um die Rebe gut versorgen zu können, sind in den ersten Jahren vor allem Beikräuter eine Gefahr, da sie in der oberen Bodenschicht um Wasser und Nährstoffe konkurrieren. Bis vor einigen wenigen Jahren hat man das Problem noch ganz einfach mit Herbiziden erledigt. Da aber der Einsatz von Herbiziden nicht ganz ohne Folgen für Boden und Grundwasser ist, wollen und müssen wir in unserem Betrieb auf diese verzichten.

Eine Alternative ist das Hacken des Unterstockbereichs. Um die Rebe herum werden maschinell oder händisch die Beikräuter entfernt.

Wir arbeiten in allen unseren Ertragsweingärten mit einem Traktor-Anbaugerät der Firma Clemens, in unseren Junganlagen hacken wir zusätzlich von Hand.

Wenn man so im Weingarten steht und auf der einen Seite fährt der Traktor laut und schnell dahin und auf der anderen arbeiten unsere Mitarbeiter in der Sonne acht bis neun Stunden täglich mit den Hacken, dann fragt man sich schon, ob das nicht einfach Wahnsinn ist.

Vor allem dann, wenn man die Hacke selbst schwingt.

Maschine-Fluch oder Segen?

Das schöne an der Weingartenarbeit ist, dass man sehr viel zum Nachdenken kommt. So eine monotone Arbeit, wie das Heraushacken von Gras und Klee um einen Rebstock, führt automatisch dazu, dass die Gedanken umherschweifen. Dazu die Ruhe, nur ab und zu ein Vogel, der zwitschert oder eine Hummel, die vorbeibrummt. Und wie genau man jeden Erdkrümel und den eigenen Körper plötzlich wahrnimmt! Ich finde, das ist ein Luxus in unserer beschleunigten Welt.

Der Traktor dagegen ist laut und verbraucht fossile Brennstoffe. Er zerschlägt hin und wieder eine Rebe und hinterlässt bei noch etwas zu feuchtem Boden sofort Spuren in der Erde. Verdichtungen des Bodengefüges, durch die das Bodenleben nicht mehr arbeiten kann.

Aber! Der Traktor ist auch schnell. Und arbeitet in einer Woche weg, wofür wir sonst drei Wochen Arbeit und eine Menge Rückenschmerzen durchstehen müssten.

Wir haben uns momentan für eine Kombination entschieden: Der Traktor arbeitet grob vor und wir kümmern uns händisch um den Feinschliff. So werden die Beikräuter zuverlässig entfernt ohne dass der Traktor mehrmals fahren muss und die jungen Reben werden nicht beschädigt. Dafür geht es auch schneller.

Schafe und Roboter

Während ich im Sonnenschein so vor mich hin hacke, stelle ich mir vor, wie wir in Zukunft arbeiten werden:

Wir werden nur noch kleinere Flächen neu bepflanzen, die man entspannt von Hand hacken kann ohne Rückenschmerzen und Blasen an den Händen zu bekommen. In den Ertragsanlagen grasen Schafe und Hühner, die die Beikräuter nicht nur in der Gasse, sondern auch zwischen den Reben kurz halten. Autonom fahrende Mäh- und Hackroboter wären auch eine gute Sache und nicht mal so abwegig! Mit Elektromotoren, die durch Sonnenenergie aufgeladen werden und neben einem durch den Weingarten surren. Am wichtigsten wäre mir jedoch eine gute Lösung, die uns ermöglicht, unsere unermüdlichen Mitarbeiter fair zu bezahlen.

Auf geht`s an die Planung, denn solche Träume erfüllen sich nicht von allein!